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  Tag 1

Bergen begrüßt uns mit 3 Grad und Regen, was hier wohl das Standardwetter ist. Dennoch scheint die Stadt ein Identifikationsproblem zu haben:

Die Fahrt zum Hurtigruten-Kai verläuft größtenteils durch lange Tunnel, wir sehen also wenig. Unsere Kabine auf dem Schiff ist größer als erwartet, das Badezimmer sehr kompakt. Am ersten Abend wird ein reichhaltiges Buffet geboten. Die ganze Reise über wird regionale Küche aus hochwertigen Zutaten serviert, die Zutaten teilweise auf einen der Stopps frisch angeliefert. (Die Hurtigruten sind vermutlich Hauptabnehmer der vielen Fischerbetriebe.) Alles sehr lecker, bis auf der Kaffee. Nach einer allgemeinen Infoveranstaltung geht es zur Abfahrt raus aufs Deck, wo wir Wind und Regen widerstehen bis es, vorbei an beleuchteten Küstenorten, durch die tiefen Wolken hindurch in ein scheinbar dunkles Loch geht. Wir sind auf dem Weg nach Norden...

  Tag 2

Um 6.15 Uhr geht's raus aufs Deck, wo uns die ersten Eindrücke der norwegischen Fjordlandschaft erwarten. Es ist immer noch wolkenverhangen, nass und windig; die bergige Landschaft trägt einen Schleier aus Schnee. Irgendwann zieht ein Seeadler vorbei, auf seinem Weg zu einer nahegelegenen Insel. Auf Deck 5 kann man einmal aussen ums Schiff herumlaufen, wobei man aber auf der Seeseite gegen heftigen Wind ankämpfen muss. Aber gut durchgepustet schmeckt der Kaffee hier gleich viel besser...

Passend zum Frühstück fährt das Schiff auf offene See hinaus, wo es den passenden Wellengang zum regnerisch-windigen Wetter gibt. Wir lassen uns das Essen dadurch nicht verderben, auch wenn sich ein etwas flaues Gefühl in der Magengegend einstellt. Das Mittagsbuffet fällt für uns aus, da wir genau dann in Ålesund anlegen und uns sofort auf den Weg zum Stadtpark machen wollen. Hier schnaufen wir uns 418 Stufen nach oben und werden dafür mit einer grandiosen Aussicht über die Stadt belohnt:

Das Wetter hat sich deutlich verbessert, etwa 8 Grad und trocken mit gelegentlichem Sonnenschein. Wir machen uns wieder auf den Weg nach unten und schlendern durch die Straßen.

Am Nachmittag trägt uns das Schiff an eine Reihe schneebedeckter Berge vorbei. Die Sonne zeigt sich immer mehr, so dass der Schnee geradezu leuchtet.

In jeder Bucht, und auf jeder kleinen Insel erspähen wir vereinzelte Häuser. Obwohl das Schiff kurz vor Molde signifikant die Geschwindigkeit reduziert, erreichen wir die Stadt 15 Minuten zu früh und können eine Dreiviertelstunde von Bord zu gehen. Wir drehen eine kurze Runde, vorbei an einigen Enten, die es sich hinter einem Bauzaun am Pier sehr gemütlich gemacht haben und sich von uns überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Stadt selbst hat nicht soviel Sehenswertes zu bieten.

Pünktlich zum Abendessen sind wir wieder auf offener und rauher See, aber das kann uns nichts mehr anhaben. Am späten Abend halten wir noch einmal in Kristiansund. Der Stopp ist zu kurz zum Aussteigen, also schauen wir den Neuankömmlingen beim Einsteigen zu. Entlang der Route treffen wir immer wieder lokal ansässige Norweger, die die Hurtigruten nutzen, um von einem Ort zum anderen zu kommen.

Nachts werden wir von einer Durchsage geweckt, verstehen aber im Halbschlaf nicht worum es geht. Möglicherweise sind Nordlichter zu sehen? Aufstehen ist auf jeden Fall völlig unmöglich. Dafür eröffnet ein kurzer Blick hinter die Gardine freie Sicht auf ein Sternenmeer....

  Tag 3

Nach einem frühen Frühstück machen wir uns um kurz nach 8 Uhr auf den Weg, Trondheim zu erkunden. Auch hier haben wir schönes Wetter, aber Schnee und Eis an den Wegrändern und weniger sonnigen Ecken zeigen, dass der Frühling noch auf sich warten lässt. Unser Weg führt uns über die alte Stadtbrücke ins Stadtviertel Bakklandet mit seinen Holzhäusern, die am Fluss auf Stelzen gebaut sind.

An der nächsten Brücke werden wir von einer Studentenkapelle begrüßt, die mit hochgekrempelten Jeans und gestreiften Mützen sowie flotter Musik die Passanten aus ihrer morgendlichen Verschlafenheit wecken. Beschwingt gehen wir zurück in die Innenstadt und zum Nidarosdom. In der Kirche sind Fotos strikt verboten, was sehr schade ist, denn neben einer beeindruckenden gotischen Architektur gibt es eine moderne Orgel zu bewundern, die sich optisch perfekt unter das große runde Fenster am Eingang schmiegt. (Eine alte Orgel gibt es auch noch.) Die zahlreichen Fenster sind alle aufwendig bemalt, was den Lichteinfall stark einschränkt und die Kirche insgesamt sehr dunkel macht.

Wir schlendern noch ein bisschen durch die Straßen, bis das Schiff dann mittags wieder ablegt. Unser Weg führt an die Festungsinsel Munkholmen vorbei und über eine fantastisch dunkelblaue See weiter in Richtung Rørvik. In der Sonne lässt es sich auf dem Deck gut aushalten.

In Rørvik liegt bereits das älteste Hurtigrutenschiff und man hat Gelegenheit, dort an Bord zu gehen, um es sich anzuschauen. Diese Möglichkeit nutzen viele, wie ein Strom von Passagieren mit Kurs auf das Schiff zeigt. Wir besichtigen derweil den nahegelegenen Supermarkt...

Nach einem sehr guten Abendessen genießen wir gerade ein Glas Wein in der Bar, als die Durchsage kommt, dass draußen Polarlichter zu sehen seien. Alle stürmen zu den Fenstern, nach draußen oder in die Kabine, um eine Kamera zu holen. Draußen stapeln sich die Leute backbord und steuerbord, weil das vordere Deck schon komplett besetzt ist. Zu sehen ist aber lediglich ein dünnes grünes Lichtband, das sich durch den Himmel zieht. Enttäuscht ziehen sich daraufhin die meisten wieder zurück. Kurz drauf treibt uns die Hoffnung, wenigstens einen schönen Sternenhimmel bewundern zu können, noch einmal nach draußen und erleben wie dieses grüne Band an Intensität gewinnt und uns kurz drauf ein fantastisches Schauspiels bietet. Wellenartig schwingen breite Lichtbänder, mal grün, mal weiß, durch den Himmel und vermischen sich mit dem Hauch Sonnenröte, der diesen Abend nicht verschwinden zu wollen scheint. Natürlich haben wir nicht geprobt, wie man die Nordlichter fotografieren kann und unsere spontanen Versuche fangen nur einen blassen Hauch des Spektakels ein. Nach einigen Minuten dann ist alles vorbei und sind die Finger durchgefroren, aber das reicht dann auch an Eindrücken für einen Tag. Morgen geht's über den Polarkreis...

  Tag 4

Um 7 ist die Nacht schon wieder zu Ende: wir befinden uns kurz vor dem Polarkreis. Alle treffen sich auf Deck 7 und um 7.33 Uhr passieren wir den Globus, der den 66. nördlichen Breitengrad markiert. Die Hurtigruten sind touristisch auf der Höhe: Wer will, kann Sekt kaufen, für 99 Kronen (€10) das Glas.

Nach dem Frühstück geht es weiter mit der Polartaufe. Dazu erscheint Njord, der Gott, der aus der Tiefe des Meeres kommt und dessen Wohlwollen man haben will, um sicher das Nordmeer zu durchqueren. Wer will, kann sich nun vom Kapitän höchstpersönlich Eiswürfel in den Nacken schütten lassen. Dafür gibt es dann einen Gratisschnapps und ein Zertifikat. Der Andrang ist erstaunlich groß und man bekommt den Eindruck, dass dieser Teil dem ansonsten eher reserviert wirkenden Kapitän am meisten Spaß macht. Wir verzichten dankend und genießen die Sonne, die die schneebedeckten Berge und das tiefblaue Wasser zum Funkeln bringt.

Kurze Zeit später erreichen wir das in einer bezaubernden Bucht gelegene Ørnes. Das Wetter meint es immer noch gut mit uns und die Berge spiegeln sich malerisch auf der glatten Wasseroberfläche. Der Stopp dauert nur etwas 15 Minuten, aber wer will schon aussteigen, wenn so eine tolle Landschaft geboten wird.

Etwa 2,5 Stunden später erreichen wir Bodø, die Stadt der Seeadler. Wir sehen allerdings nur Möwen... Die Stadt ist eher industriell mit funktioneller Architektur. Wir nutzen aber die Gelegenheit, uns einen richtigen Kaffee zu besorgen. Den genießen wir auf einer Bank in der Sonne, Füße hoch auf einem Haufen zusammengekehrten Schnee.

Gegen 18 Uhr erreichen wir dann Lofoten und halten in Stamsund. Hier haben die Leute anscheinend jeden Versuch aufgegeben, im Weg stehende Felsen abzutragen und lassen sie einfach im Vorgarten stehen.

Das Schiff hält nur kurz, die Gabelstaplerfahrer düsen hin und her, machen zum Schluss noch das Seil los und weiter geht's.

Es ist zunehmend bewölkt, aber nicht so kalt wie man in dieser Gegend erwarten würde, insbesondere da sich nun der Schnee nicht nur auf den Bergspitzen hält, sondern bis zum Wasser reicht. Die See ist ruhig, ein zartes Licht durchzieht die Wolken, die Berge ziehen sich am Horizont entlang. Hier und da bildet ein kleines Fischerboot einen roten oder blauen Farbtupfer. Vereinzelt sieht man auch noch Häuser.

Wir erreichen Svolvær mit etwas Verspätung und haben somit nur eine Dreiviertelstunde zum Erkunden. Unser Ziel ist die Dorfkirche, weil diese leicht erhöht liegt und eine gute Sicht bieten sollte. Es muss aber kürzlich noch geschneit haben und das Vorwärtskommen ist nicht einfach für Fußgänger, da die Gehwege wohl die bevorzugten Ablageplätze für den Straßenschnee sind. Dem Marktplatz erging es ähnlich und nur eine einsame Wagenbude bezeugt seine eigentliche Funktion. Wir schlittern durch den charmanten, vor dem Hintergrund imposanter Berge gelegenen Hafen bevor es zurück an Bord geht.

Um etwa 23.30 Uhr macht das Schiff einen Abstecher zum Trollfjord, dem Verbindungsarm zwischen den Lofoten und Vesterålen, der in der Schlacht um den Trollfjord von Dampfschiffen blockiert wurde, um den einfachen Fischerbooten den Zugang zu verwehren (die Fischer haben sich aber erfolgreich gewehrt). Natürlich ist es bereits dunkel, also wird die enge Durchfahrt angestrahlt während die umliegenden Felsen durch den Kontrast des Schnees gegen den dunklen Himmel schemenhaft angedeutet werden. Wie der Name schon sagt, ist dieser Fjord auch bei den Trollen sehr beliebt und die nächtliche Einfahrt schafft eine entsprechende Atmosphäre, zu sehen gibt es aber nicht viel (ganz im Gegensatz zur Rückfahrt...)

  Tag 5

An diesem Morgen steht nichts auf dem Programm. Wir suchen uns einen Fensterplatz im Café, lassen die Landschaft vorbeiziehen, bringen uns nachrichtenmäßig auf den neuesten Stand und schreiben Emails. Nachmittags sind dann robustere Schuhe und eine zusätzliche Kleidungslage gefragt, in Vorbereitung auf unsere Ankunft in Tromsø.

Hier haben wir einen längeren Aufenthalt. Der Himmel ist bedeckt, aber es ist trocken und mit 3-4 Grad wärmer als der viele Schnee vermuten lässt. Es taut und auf den abfallenden Straßen gräbt das Schmelzwasser matschige Rinnen in den vereisten Schnee. Als Fußgänger hat man es auch hier nicht einfach: die Gehwege, sofern sie übrhaupt existieren, sind in der Regel nicht geräumt. Eine Ausnahme ist der Fußgängerweg der Tromsøbrücke. Auf der anderen Seite der Brücke kämpfen wir uns durch reichlich Schnee, noch mehr Matsch und viele Pfützen zur Seilbahn auf den Hausberg durch und erreichen die letzte Fahrt nach oben.

Dort angekommen haben wir 20 Minuten vor der letzten Fahrt nach unten, um die herrliche Aussicht über Tromsø zu bewundern und ein bisschen durch die meterhohe weiße Decke zu stapfen. Zwei Männer finden, sie müssten sich von ihrer weiblichen Begleitung oben ohne fotografieren lassen. Die Frauen sind aber mehr damit beschäftigt, einen Schneemann zu bauen.

Wieder unten angekommen erweisen wir natürlich dem Amundsen-Denkmal unsere Ehre. Die hölzerne Domkirke ist von einer Baustelle umgeben und nicht zu besichtigen. Also kehren wir stattdessen in das "Ølhallen" ein, das nördlichste Brauhaus der Welt.

Von da geht es gemächlich zurück zum Schiff, gerade als die Sonne rauskommt...

  Tag 6

Ankunft in Honningsvåg ist um 11.15 Uhr, wo die Mehrzahl der Passagiere eine Exkursion zum Nordkapp gebucht hat. Wir wandern stattdessen auf eine ins Eismeer reichende Landzunge, die eine exklusive Sicht über den Ort bietet. Vorher freunden wir uns aber mit einem gar nicht so kleinen Troll an.

Unweit davon steht die Statue eines Hundes mit Matrosenmütze. Das Schild informiert uns, dass sie an den bei den Kindern im Ort sehr beliebten Bernhardiner Bamse erinnert, der während des zweiten Weltkriegs zum Maskottchen der WikiPedia:HNoMS_Thorodd wurde.

Wie in den meisten Städten entlang der Küste hat auch in Honningsvåg Funktionalität einen höheren Stellenwert als architektonische Schönheit. Und auch hier hat man es als Fußgänger schwer, denn die Gehwege sind entweder von aufgehäuften Schneemassen blockiert oder vereist. Plätze lassen sich anhand von Statuen erahnen, auf den Friedhöfen sieht man kaum noch die Grabsteine.

Auf unserer Weiterfahrt geht es offenbar durch fischreiche Gewässer, jedenfalls tummeln sich die Möwen am Fuße der Felsen, im Wasser und in der Luft. Beim Abendessen haben wir eine bezaubernde Aussicht auf das Abendrot. In dieser Nacht gibt es kaum Sterne, stattdessen hält sich eine gewisse Helligkeit bis zum Morgen.

  Tag 7

Mit fast einer Stunde Verspätung laufen wir im Hafen von Kirkenes ein. Wir machen uns sofort über die vereisten Straßen auf den Weg nach oben. Die Sonne scheint als wolle sie nun mit aller Macht den Schnee zurückdrängen, aber die großen Haufen vor den meisten Häusern brauchen vermutlich noch eine ganze Weile, um sich aufzulösen. Die Aussicht auf die schöne Bucht wird ein bisschen von den industriellen Hafenanlagen beeinträchtig, ist aber dennoch schön. Auf unserem Rückweg durch die Innenstadt schauen wir uns noch die Kirche an, zu deren Zugang man ebenfalls einen Schippe benötigt.

Um 12.30 Uhr geht es zurück Richtung Süden, mit einer Reihe neuer Gesichter an Bord. Wir haben immer noch Verspätung, weshalb beim nächsten Stop kein Landgang möglich ist. Während die zunehmende Bewölkung anfangs noch für schöne Lichtspiele sorgt, zieht sich der Himmel abends zu und wir erleben erneut eine rauhere See. Der Wind heult und alle Passagiere bewegen sich, als hätten sie die Bar bereits besucht.

  Tag 8

Das Schiff schaukelt die ganze Nacht, aber zum Frühstück scheint schon wieder die Sonne. Am späten Vormittag halten wir in Hammerfest. Hier biegen wir am Hafen direkt rechts ab und schlagen den Weg entlang des Kais und durch den Schnee ein. Dafür sind wir vor den meisten anderen in der Hammerfestkirche und können in Ruhe das schöne Glasfenster zu bewundern. Der Rückweg geht durch die kleine Innenstadt.

Nachmittags haben wir Gelegenheit, die herrliche Landschaft auf dem Weg nach Øksfjord zu genießen, die wir auf dem Hinweg nachts passiert haben. Das Gebirge zieht sich den Horizont entlang, jeder einzelne Berg mit seinem ganz eigenen, vom Wind in den Schnee geschnitzten Muster; hier und da schafft es die mittlerweile verschleierte Sonne auch noch, die eine oder andere Seite funkeln zu lassen. Der Wind erinnert uns derweil, dass wir uns immer noch auf dem arktischen Meer befinden.

Und bevor der Eindruck entsteht, menschliches Leben sei hier oben rar: Alle 12 Stunden begegnet man einem entgegenkommenden Hurtigrutenschiff. Und Windräder gibt es auch :-)

Passend zum Abendessen fahren wir durch den Lyngenfjord und sehen die Lyngenalpen, die sich majestätisch aus dem spiegelglatten Wasser erheben. In der Ferne erscheinen sie fast schemenhaft hinter einem dünnen Schleier von Wolken, näher dran sind einige Spitzen von Sonnenlicht überzogen, das sich durch die Wolken kämpft. Unter den dichteren Wolken sieht man schon einen Hauch Abendrot. Die Landschaft verbreitet eine magische Stimmung, Zeichen menschlicher Besiedlung gibt es es kaum, hier und da fliegen Enten und Möwen durch die Szene. Die untergehenden Sonne lässt sich hinter den Bergen nur erahnen.

Heute nehmen wir dann auch mal an einem Ausflug teil und besuchen das Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale. Von allen, die es kennen, hoch gelobt, und auch wir werden nicht enttäuscht. Die drei Solisten - eine Sopranistin, ein Cellospieler und ein Klavier- und Orgelspieler - bieten ein fantastisches, 50-minütiges Konzert mit einem Mix aus Klassik, norwegischer Folkmusik, und einem samischen Joik. Das erste Lied wird von der Sopranistin vom hinteren Balkon aus gesungen und von der Orgel begleitet. Beim zweiten schreitet sie dann singend die Treppe hinunter und durch den Mittelgang zur vorderen Bühne, wo große Kerzenständer und gedämmte Beleuchtung für die richtige Atmosphäre sorgen. Ein Hurtigruten-Exklusivangebot, die Passagiere sind scheinbar die einzigen Zuhörer. Von denen ist dafür aber auch die Mehrzahl dabei.

  Tag 9

Nachdem wir die halbe Nacht unterwegs waren, fängt der Tag erst einmal langsam und mit einer extra Tasse Kaffee an. Zum Glück ist der Kaffee im Speisesaal durchweg trinkbar, was der in im Café verlässlich nicht ist. Kurz darauf passieren wir den Kanal Risøyrenna im Risøysund und legen kurz am kleinen Handelsort Risøyhamn an, der durch den 1922 eröffneten Kanal überhaupt erst am weiteren Schiffsverkehr angeschlossen wurde.

Der nächste Landgang ist erst wieder in Stokmarknes. Wir kommen ca. 20 Minuten später als geplant an, aber ausnahmsweise wird dafür die Abfahrt ebenfalls um 15 Minuten verschoben. Ob das etwas damit zu tun hat, dass in dieser Stadt die Hurtigruten von Richard With gegründet wurden und es dementsprechend auch ein großes Hurtigrutenmuseum am Pier gibt...? Interesse ist jedenfalls da: Ein langer Trek von Passagieren zieht in Richtung Museum. Wir setzen uns mal wieder ab und spazieren eine Dreiviertelstunde durch den Ort. Zu sehen gibt es wenig, aber eine malerische Wolkenkomposition verleiht dem Hafen etwas geradezu märchenhaftes.

Einer der Highlights der ganzen Reise ist nachmittags die erneute Fahrt durch den Raftsund bis zur Einfahrt in den Trollfjord. Während man auf dem Hinweg wenig sehen konnte, eröffnet er sich uns nun in seiner ganzen Schönheit.

Abends haben wir dann noch einmal Gelegenheit, uns Svolvær anzuschauen. Mittlerweile ist viel Schnee geschmolzen, der Marktplatz sichtbar (auch wenn da immer noch nur eine einsame Wagenbude steht...) und auch die Kirche ist jetzt wieder erreichbar. Es ist Ebbe, am Hafen sieht man große Mengen von Seetang, und über der Stadt hängt ein penetranter Fischgeruch. Den Möwen gefällt's, sie sind munter und laut am Balzen und stellen sich sogar für uns in Pose.

Diesmal sehen wir auch die "Svolvær-Ziege", eine Felssäule mit oben zwei kleineren Säulen, die (mit etwas Fantasie) wie zwei Ziegenhörner aussehen. Ein Wahrzeichen Svolværs, allerdings auch leicht zu verpassen. außerdem sehen wir auch endlich mal gebührende Mengen der Holzgestelle, auf denen "Stockfisch" (getrockneter Kabeljau) hergestellt wird; immerhin das Hauptstandbein der Region neben dem Tourismus. Wieder an Bord hören wir uns noch die Legende von Utrøst an und lassen den Abend mit einem Glas Wein ausklingen.

  Tag 10

Die erneute Überquerung des Polarkreises ist unspektakulär, auch wenn der Wind nicht mehr ganz so schneidet. Erstaunlicherweise sehen wir vereinzelte Grün-und Brauntöne bevor wir den Globus passieren, und danach erst einmal wieder nur gletscherartige Felsen, als ob wir in die falsche Richtung fahren. Kurz darauf häufen sich jedoch die dezenten Farbtupfer dank der vorgelagerten, von den Bergen geschützten Inseln. Das Wasser funkelt in der Sonne und im Windschatten ist es warm genug, um Kapuze oder Mütze abzunehmen und die Handschuhe auszuziehen. Auch die Anzahl der Häuser nimmt wieder deutlich zu.

Unser Mittagsstopp ist in Sandnessjøen, bemerkenswert für den Blick auf die Helgelandbrücke, aber hier zeigt sich bereits ein dünner Nebelschleier, der uns wenig später die Sicht auf die Gebirgskette "Sieben Schwestern" verwehrt. Wir sind schon fast vorbei als er den Blick doch nochmal freigibt, nur um sich kurz darauf noch mehr zu verdichten.

Brønnøysund wird durch ein bezauberndes Inselchen mit zwei, drei Häusern angekündigt, dafür ist die weitere Umgebung, inklusive der nicht so kleinen Berge, mehr oder weniger vom Nebel verschluckt. Wir wandern ein bisschen durch die fast schneefreie Stadt und gönnen uns zum Schluss ein Eis am Hafen.

(Im Hintergrund ist mit rotem Farbband unser Schiff zu sehen.)

Neben der Tatsache, dass die Stadt den Mittelpunkt Norwegens darstellt, ist Brønnøysund vor allem auch für den naheliegenden Torghatten, dem Berg mit dem Loch bekannt. Wir positionieren uns dementsprechend direkt nach Ablegen auf dem Deck, auch wenn der Nebel wenig Hoffnung macht. Kurz bevor wir um den Berg herumfahren wollen, klart es scheinbar auf und man hat einen ganz guten Blick, aber wenige Meter bevor das Loch zu sehen wäre schließt sich der Vorhang und man kann nichts mehr erkennen. In den Stunden darauf begleitet uns das minütlich ertönende Nebelhorn unseres Schiffes. Der Nebel lässt für eine ganze Weile nicht nach und wir nutzen die Zeit zum Lesen und Surfen.

Während wir abends im Hafen von Rørvik liegen, wird uns, anlässlich des 125. Jubiläums der Hurtigruten, ein besonderes, 5-Gänge-Menü serviert. Wir haben einen Fensterplatz, von wo aus wir direkten Blick auf das ankommende Hurtigrutenschiff aus der Gegenrichtung haben. Es steuert sozusagen direkt auf unseren Fensterplatz zu, was ein bisschen mulmiges Gefühl verursacht, aber der Kapitän leistet natürlich Maßarbeit. Die wenigen an Deck stehenden Passagiere scheinen direkten Blick auf unsere Teller zu haben (sind aber natürlich viel zu zu weit weg). Wie auch schon auf unserer Hinfahrt ist es möglich, das andere Schiff zu besuchen. Wieviele das tun bleibst uns verborgen, weil wir einem exzellenten Glas Portwein den Vorzug geben. Beim Abendspaziergang an Deck sehen wir zwar nicht mehr den Sonnenuntergang, aber eine traumhaft schöne Abendröte.

  Tag 11

Wir kommen früh im regnerischen Trondheim an und können die Stadt ein zweites Mal besuchen. Dieses Mal ziehen wir Richtung Zentrum, wo wir einige schöne Gebäude entdecken, die uns beim ersten Besuch entgangen sind. Der Schnee ist nun fast weg und die Stadtgärtner sind fleißig dabei, alles zu bepflanzen. Der Rest der Innenstadt erwacht aber erst als wir uns schon wieder auf den Rückweg machen müssen.

Unsere Weiterfahrt führt durch mehr tiefhängende Wolken, die die Berge teilweise verhüllen, sich aber teilweise auch nur wie eine Watteschlange entlang der Täler winden.

Am späten Nachmittag legen wir in Kristiansund an, das wir auf der Hinfahrt nur spätabends gesehen haben. Aussteigen können wir auch diesmal nicht. Einige mächtige Schiffe liegen im Hafen. Die Stadt selbst zieht sich entlang beider Seiten des Hafenbeckens, die Häuser gebaut wo die Felsen es zuließen, teilweise mit Hilfe von Pfählen und Betonstützen. Auffällig ist die kompakte Kirche aus grauem Stein.

Von hier geht es auf die offene See heraus..

  Tag 12

Heute heißt es Abschied nehmen von einer wirklich traumhaft schönen Landschaft, und ausgesprochen gutem Essen. Mittlerweile sind die Berge mehr in Braun- und Grüntönen gefärbt, es gibt wieder Bäume und Sträucher, aber schneebedeckte Spitzen mogeln sich immer wieder dazwischen. Der Himmel zeigt sich in mehreren Wolkenlagen, mal heller, mal dunkler, es ist diesig und die Wellen lassen das Schiff schaukeln, und es ist dennoch schön. Trotzdem hoffen wir auf gutes Wetter in Bergen (haha). Nach dem Frühstück suchen wir uns einen Fensterplatz auf dem siebten Deck.

Am späten Vormittag fahren wir in den Sognefjord und durchqueren den Steinsund, eine Meerenge von nur etwa 60m. In den etwas windgeschützten Ecken stehen ein paar Häuser und Bäume, die meisten Inseln sind aber blanker Fels. Der Wind ist zwar nicht mehr so kalt, aber dafür deutlich stärker als der im hohen Norden. Die Möwen fliegen rückwärts und zwei Seeadler brauchen einige Zeit um die Landung auf einer der Schären zu bewerkstelligen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir dann wieder Bergen.